Wie gewonnen, so zerronnen

Es wäre ja nun auch zu schön gewesen. Wirklich, es hätte fast alles wunderbar gepasst. Wir hätten einfach den Mietvertrag unterschrieben und wären schon nach kurzer Zeit die ganzen Wohnungssorgen los gewesen. Dann hätten wir uns endgültig um einen lexikalischen Eintrag für „den Hadnagy machen“ als idiomatische Wendung für das Suchen und sofortige Finden einer neuen Wohnung sichern können. Wären gemütlich Mitte Juli umgezogen, hätten die alte Wohnung in Ruhe renoviert und hätten dann einen schönen Sommer in der Nähe der Badischen Spargelstraße verbracht. Aber nichts da.

Ok, der Reihe nach, es ist ja schon wieder genug passiert:

Wir haben uns mal vorsichtig mit dem Thema Wohnungssuche beschäftigt, schließlich wollen wir gerne spätestens im September hier unten einen festen Wohnsitz haben, damit wir zum neuen Kindergartenjahr bereits in unserem neuen Wohnort sind. Und wie das oft so ist, war eines der ersten Angebote, für das wir uns näher interessierten, schon gleich ein absoluter Volltreffer. Ein neues Haus in einem Stadtteil von Rastatt, ländlich und doch stadtnah, mit genügend Platz für alle und alles, einem gemütlichen Garten, einer Garage, einer fantastischen Küche, die im Mietpreis enthalten wäre undundund. 

Der Haken? Nun, das Haus entstand als Wohnhaus einer jungen Familie im Vorgarten der Gattinneneltern. Und weil die kindergesegnete Ehe auseinanderging, hatte man sich eigentlich darauf geeinigt, das Haus zu verkaufen. Aber es kann lange dauern, bis ein Käufer gefunden ist, also sollte vermietet werden, und das Ganze wurde einer Maklerin übergeben.

Ich besichtigte das Haus vergangene Woche, begleitet vom Gattinnenvater, der scheinbar die Führung bei der ganzen Sache übernommen hatte. Der mir auch erklärte, dass man uns unser Leben leben lassen wolle, das sei ganz klar getrennt. Ein netter Mann, neben dem ich problemlos zu wohnen mir hätte vorstellen können. Zum Ende der Besichtigung frug die Maklerin, ob sie denn nun in den nächsten Wochen täglich mit neuen Interessenten vorbei kommen solle oder wie weiter zu verfahren sei. Das Urteil des Vaters: Nein, der Hadnagy ist ihm sympathisch, der soll mal seine Frau überzeugen und dann sehen wir weiter. 

Die Frau zu überzeugen war nicht sonderlich schwer, schon die übermittelten Bilder sorgten für eine positive Grundstimmung, am Karsamstag dann fuhren wir mit der ganzen Familie wieder nach Rastatt und schauten das Haus erneut an. Diesmal mit der eigentlichen Besitzerin. Und diese ließ dann zum Ende der Besichtigung in ihre Seele blicken: Sie müsse erst noch mal in Ruhe darüber nachdenken, schließlich habe sie das Haus mal für Ihre Familie gebaut. Es nun aufzugeben fiele ihr unendlich schwer und sie habe sich emotional damit noch nicht abgefunden. Sie bat sich Bedenkzeit bis nach Ostern aus.

Und rief mich heute morgen an um mir mitzuteilen, dass sie es doch nicht übers Herz bringe und das Haus weiter selbst nutzen wolle…

Ich konnte mich gerade noch davon abhalten, unbeteiligte Passanten mit der Krawatte des Tages zu erwürgen.

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3 Antworten zu Wie gewonnen, so zerronnen

  1. Roger schreibt:

    Argh. :-/

  2. Helene Klein schreibt:

    Ohh menno! Das ist schon mehr als doof.

  3. Pingback: Haussuche (Teil 1) | punktum.

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