Sag’ noch einmal ‘WAS?’…

(c) Bruce Krasting unter Creative Commons

Die Infantin unterhält sich gerne über den Zaun mit dem etwas jüngeren Nachbarssohn. Allerdings hat der sich gerade angewöhnt, alles, was zu ihm gesagt wird, mit der Gegenfrage “Was?” zu beantworten. So dass sich so mancher Endlosdialog entwickelt, in dessen Verlauf die Infantin stetig ungehaltener wird.

“Philipp, ich geh gleich rutschen.”
“Was?”
“Ich geh gleich rutschen.”
“Was?”
“Ich geh gleich RUT-SCHEN!”
“Was?”
“Philipp sag nich immer ‘Was’.”
“…”
“Philipp, ich geh gleich rutschen.”
“Was?”
“IIIICHGEEEHGLAAAIIICHRUUUUTSCHÄÄÄÄN!”
“Was?”
“PHILIPP! SAG NICH IMMER WAAAAHAAAAAS.”

Das geht manchmal immer so weiter. Ich frage mich manchmal, ob die Gefahr besteht, dass die beiden Kinder irgendwann in einer Endlosschleife gefangen sind, in der sie dazu verdammt sind, bis einer von beiden einschläft am Zaun zu stehen und diesen Dialog weiterzuführen. Bis jetzt haben sie aber immer wieder herausgefunden. Sei es, weil Philipp sich endlich zu einer der erhaltenen Information angemessenen Reaktion durchringen konnte oder weil die Infantin sich entnervt abgewendet hat. Oder die alte Frage durch eine neue ersetzt. Bei der sie dann auf wundersame Weise die ersten zwei bis drei “Was?” wieder wegstecken kann.

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Soll noch mal einer sagen…

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…in Kuppenheim sei nichts geboten.

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Schafft Gegner heran…

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…und nicht Opfer!

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Kunst am Bau(zaun)

In Karlsruhe befindet sich ja bekanntlich der Sitz des Bundesverfassungsgerichtes. Normalerweise tagen die Herren in den roten Roben in direkter Nachbarschaft des Karlsruher Schlosses. Doch seit einigen Monaten wird der 60er-Jahre-Bau grundlegend saniert, weshalb das Gericht seinen Sitz zeitweise in die ehemalige General-Kammhuber-Kaserne in der Karlsruher Waldstadt verlegt hat. (Kleine Randnotiz: weil es sich für das höchste deutsche Gericht im Gegensatz zur Bundeswehr natürlich nicht geziemt, in einem nach einem General der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg benannten Gebäudekomplex Recht zu sprechen, wurde der Name der Kaserne lieber mal getilgt. Aber das ist eine andere Geschichte, zu der dieser Artikel von 2009 zumindest ein wenig berichtet.)

Während nun also die für die energetische Modernisierung erforderlichen umfangreichen baulichen Maßnahmen durchgeführt werden, ist der Komplex natürlich von einem Bauzaun umgeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Bauzäunen dieser Welt wird dieser aber nicht als preisgünstige Werbefläche für Trödelmärkte, Konzerte und Dia-Vorträge “Feuerland” freigegeben. Statt dessen bietet er den Raum für untig beschriebenes  Kunstprojekt.

Und so kann man also auf dem rund 150 Meter langen Weg entlang des Zaunes drei verschiedene künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Gericht sehen.

Da sind zum einen Fotografien aus dem Innen- und Außenbereich des Gebäudes, die mit Hilfe des Lentikulardrucks so übereinandergelegt sind, dass sich beim Vorbeigehen ein ständiger Perspektivwechsel ergibt. Ein netter Effekt, an dem man sich aber auch recht schnell satt sieht.

Deutlich spannender finde ich da schon das zweite Projekt, eine Fotoserie zum Thema Grundrechte. Gezeigt sind Bilder von Personen, die jeweils ein Schild vor sich halten, auf dem eines der in den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes festgelegten Rechte schriftlich festgehalten sind. Und einige der Motive finde ich wirklich beeindruckend gut gelungen. Das hier zum Beispiel (Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletztlich):

Oder das (Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden):

Und mein absoluter Favorit (Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden):

Das für mich großartigste Projekt hat – wie könnte es anders sein – mit Sprache zu tun. Genauer gesagt haben sich die Urheber wohl (ob bewusst oder unbewusst) an dem Projekt Kunst aufräumen orientiert und die Texte von sechs Gerichtsurteilen aus verschiedenen Jahrzehnten alphabetisch sortiert. Und das sieht dann so aus:

Bestimmt 100 Meter geht man dann an einer sauber geordneten Wortwand entlang, und man kann sich genüsslich darin verlieren, juristische Sprachextravaganzen (Rechtsgutbeeinträchtigung), interessante Wortgruppen (Schmitt schmuggelte Schnabel Schneider schnell schnell schnell), verstreute Perlen (Schluckebier, Schnitzerling), oder Abkürzungen (Rdnr.) zu entdecken, zu suchen und wiederzufinden.

Natürlich gibt es auch eine Reihe von Worten, die so häufig in den Urteilen auftauchen, dass sie locker eine ganze Wand einnehmen. Und wenn diese dann ordentlich in Reih und Glied stehen, ergibt sich ein wirklich eindrucksvolles Bild.

Und wenn man dann auch noch den Weg vom Ende des Alphabets aus geht, erwartet einen zum Schluss noch eine Besonderheit. Denn nicht nur sämtliche Worte aus den Urteilen, sondern auch alle Zahlen, Sonderzeichen und vor allem Satzzeichen sind abgebildet.

Wer in den nächsten Monaten nach Karlsruhe kommt, sollte da auf jeden Fall mal vorbei schauen und mal suchen, ob er seinen eigenen Namen findet. Meiner steht jedenfalls drauf.

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Innereien-Fans

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Dass sich ein Verein von Liebhabern von Innereiengerichten bildet, mag ja vielleicht noch nachvollziehbar sein. Aber warum die Clubfahne seit zwei Wochen im Schaufenster eines örtlichen Frisörsalons hängt, erschließt sich mir nicht. Der Rollator steht übrigens regelmäßig da.

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Badische Bindfäden

“Da hen se Glück g’hat mit’m Wetter” sagt die freundliche Verkäuferin in der Bäckerei und weist auf das graue Geniesel draußen. “Heut’ morge hatte mer richtiger Schnürlesrege.”

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Culinaria Badensis (I): Butterbrezel

Als Mainzer meint man ja, die Erfüllung der Brezel in den Produkten der Laugenteigwarenmanufaktur Ditsch&Cie. schon in äußerst jungen Jahren gefunden zu haben. Und weil man bereits im Kinderwagen mit den Dingern vertraut gemacht wurde, sich während der Schulzeit auf dem Weg zum Bus ausgiebig mit dem zu jener Zeit in Erweiterung befindlichen Sortiment eingehend vertraut gemacht hat und später im Studium immer wieder wie Bolle gefreut hat, dass der Verkaufsstand am Bahnhof schon offen hatte, wenn man im Morgengrauen aus dem Caveau getaumelt kam, gab es auch nie einen Grund, daran zu zweifeln, dass der Ditsch nun mal die beste Brezel macht.

Insofern kam es einer kleinen Erleuchtung gleich als ich hier ein ganz anderes Konzept von Brezel kennen lernen konnte. So ein Teil muss nämlich nicht zwingend noch warm gegessen werden, weil es nach dem Erkalten vollkommen gummiartig und zäh wird. Und es muss nicht zwingend einen so strammen Laugen-Nachgeschmack haben, dass man bei jedem Aufstoßen meint, man habe sich den Mund mit Seife ausgewaschen. Eine Brezel kann auch außen schön knusprig und innen weich und aromatisch sein. (Ich weiß, ich übertreibe hier ein wenig, so schlimm sind die Brezeln vom Ditsch auch wieder nicht. Aber die vom Geppert! Dennoch:) Die badische Brezel spielt in einer ganz anderen Liga als das, was in Mainz angeboten wird. Und das nahezu durch die Bank. Ein wirklich schlechte Brezel ist mir hier noch von keiner Bäckerei verkauft worden.

Der eigentliche Clou an der Sache ist aber, dass die Leute sich hier mit ihren wirklich leckeren Brezeln nicht zufrieden geben. Sie sind auch noch auf die wirklich fantastische Idee gekommen, die Brezel in der Mitte aufzuschneiden, einen ordentlichen Schwung Butter draufzuschmieren und das Ganze wieder zuzuklappen. Und das schmeckt so wunderbar lecker, ist schnell gegessen, macht satt.

Die Butterbrezel ist der universale Snack dieser Region schlechthin. In jeder Bäckerei ist sie erhältlich, ob am Mannheimer Hauptbahnhof oder am Leopoldsplatz in Baden-Baden, ob in der kleinen Landbäckerei in Kuppenheim, in der Heel-Betriebskantine oder in Iffezheim auf der Rennbahn. Und das Wichtigste: Sie kostet überall dasselbe. Genau ein Euro ist der derzeitige Kurs, und es scheint so als wäre der Butterbrezelpreis in hiesigen Gefilden einer der verlässlichsten Inflationsanzeiger überhaupt. Bisher habe ich (von besagter Rennbahn mal abgesehen, aber das ist kein Vergleichspunkt) keinen Laden gesehen, der es gewagt hätte, mehr als einen Euro für die Butterbrezel zu nehmen. Und einmal konnte ich eines dieser typischen Gespräche älterer Menschen belauschen, die sich darüber austauschten, wie teuer die Butterbrezel doch geworden sei. Früher habe man ja schließlich gerade mal 20 Pfennig dafür bezahlt. Das also haben Ditsch-Brezel und badische Butterbrezel gemeinsam: man kann an ihnen gut nachvollziehen, wie Güter mit der Zeit immer teurer werden ohne an Wert zu gewinnen oder zu verlieren. Und übrigens: Ditsch gibt’s auch in Baden-Baden oder Karlsruhe, aber ich hatte bisher noch nicht das Verlangen nach einer ihrer Brezeln.

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